Gedanken zu den Paramenten
Das Kanzelparament, das die Frauenhilfe gestiftet hat, nimmt ein Motiv auf, das Sie in unserer Kirche immer wieder finden werden: seitlich an den Kirchenbänken, oben an der Spitze des Altars und an der Orgel. Die drei Kreise, die ineinander greifen - ein Symbol für die Dreieinigkeit Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Jeder ist für sich genommen eine Einheit und doch gehören sie zusammen, haben mehrere Schnittmengen. Gott hat viele Facetten - goldene, grüne, weiße, rote, violette - und ist doch ein Ganzes ohne Anfang und Ende. Die Linien der ineinandergelegten Kreise oder Ringe lassen uns aus verschiedenen Winkeln mehrfach ein weiteres Symbol sehen - den Fisch, das Zeichen der Christen. Und die farbig aufgestickten Elemente bilden einen vierten Kreis um die Mitte.
Fertig und doch unfertig wirkt das Parament auf mich - so, wie wenn ich meine, ich habe jetzt ein Bild von Gott in meinem Kopf, ich weiß, wie er ist - und dann entzieht er sich mir doch wieder.
Das Parament am Lesepult nimmt einerseits die Form des Kreuzes auf, löst sie aber durch das Spirallabyrinth im Zentrum gleichsam wieder auf. Ich sehe hier den Weg abgebildet, den wir Menschen gehen, wenn wir uns auf die Suche machen nach Gott, nach etwas, das uns im Innersten Halt geben kann. Wir kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen, mit unterschiedlichen Überzeugungen und Fragen. Die vier Farben des Kirchenjahres: violett, weiß, grün und rot bilden ja auch die unterschiedliche Gestimmtheit ab, aus der heraus wir Gott wahrnehmen, in der er uns begegnen kann.
Wie finden wir zu Gott? Der goldene Faden, die goldene Spur weist uns den Weg, aus welcher Richtung wir auch zu ihm stoßen. Er hält uns den Weg zu sich offen, wir können uns auch wieder entfernen, aber wer den Weg der Spirale nach innen mitgeht, kann sich immer an der goldenen Schnur festhalten, die ihm den Weg ins Innerste weist. Nicht immer bleibt der Weg bunt und farbig, manchmal ist er auch nur ganz alltäglich, doch je näher wir dem Kern der Spirale kommen, umso mehr verdichten sich die goldenen Spuren Gottes, bis wir ihn in der Mitte finden.
Er ist der Schatz, der in der Mitte verborgen ist, der sich umkreisen lässt, der sich finden lässt.
Und er ist gleichzeitig derjenige, der uns immer schon umschließt und umhüllt, den wir aber nur schwer fassen können, wie wir im Parament an der Kanzel sehen.
So, finde ich, ergänzen sich diese beiden sehr unterschiedlichen Paramente gut und geben viele Anstöße zum weiterdenken.
Ich hoffe, dass sich unsere Gemeinde viele Jahre von ihnen bereichern lassen kann und danke wirklich allen von Herzen dafür, dass wir dieses Projekt so schnell verwirklichen konnten.
Pfarrerin Susanne Duesberg

















